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SEP RUF HAUS 70

SEP RUF HAUS feiert 70. Geburtstag!

Jeden Donnerstag wird hier ein neuer Beitrag rund um das Sep Ruf Haus eingestellt. Klicken Sie dazu auf das Laufband. Alle Beiträge werden anschließend am Ende dieses Eintrags abgelegt. Start: 29.04.2021 (1) | 06.05.2021 (2) | 13.05.2021 (3) | 20.05.2021 (4) | 27.05.2021 (5) | 03.06.2021 (6) | 10.06.2021 (7) | 17.06.2021 (8) | 24.06.2021 (9)


Vom 7. bis 15. April 1951 konnten in dem von Sep Ruf geplanten Wohnhaus an der Theresienstraße (damals als Hochhaus bezeichnet) eingerichtete Musterwohnungen besichtigt werden, Interessenten standen Schlange.  

Mit dem Gebäude setzte Sep Ruf sowohl ein markantes Zeichen für einen modernen Wiederaufbau Münchens, wie auch für eine neue Form des Wohnens. Die Bebauung stand im Gegensatz zur Masse des damaligen sozialen Wohnungsbaus sowie der weitgehend konservativen Münchner Nachkriegsarchitektur. 

+++ Im Schaukasten am Eingang Nr. 46 wird zurzeit die Geschichte des Hauses dokumentiert. Bilder von der Montage +++

Der Architekturkritiker Hans Eckstein schrieb zur Eröffnung:

„Das achtgeschossige Wohnhochhaus, das der Architekt Sep Ruf für den Verein zur Behebung der Wohnungsnot e.V. Nürnberg an der Theresienstraße errichtete, hat für das so stark von konservativem Lokalgeist beherrschte Planen und Bauen in München größte Bedeutung. Es ist (…) der erste vollendete Neubau von in Befangenheiten in historischen Reminiszenzen völlig freien Formen.“

Die schmale, von der Grundstücksgrenze zurückgesetzte Wohnscheibe mit Läden im Erdgeschoss und 42 nach Süden orientierten Wohnungen blieb mit acht Geschossen knapp unter der Hochhausgrenze. Trotz einer relativ geringen Grundfläche von 51 bis 68 Quadratmeter wirken die Wohnungen aufgrund der verglasten Südseite mit den elegant proportionierten Fenstertüren und den durchlaufenden grazilen Balkonen großzügig, hell und luftig. Die raumhohen, schmalen Fensterelemente ohne Sturz, Brüstung oder Schwelle, die zu Charakteristika von Sep Rufs Architektur wurden, sind Zeichen eines, wie Ruf erklärte, „sozialen Wollens“, denn durch „den geöffneten Raum […], der mit der Natur in Verbindung steht“, soll auch im sozialen Wohnungsbau „das Menschenwürdige“ architektonisch vermittelt werden.


Das Gebäude war eines der ersten Wohnhäuser, das über die damals neue Form des selbstgenutzten Eigentums finanziert wurde. Bewohner des Hauses schrieben an den Architekten:

„Sehr geehrter Herr Professor Ruf! Wir haben dieser Tage mit Erstaunen gehört, dass bestimmte Baubehörden in München sich gegen die von Ihnen vorgeschlagenen Groß-Fenster ausgesprochen haben. Wir wohnen jetzt seit April 1951 in dem Hochhaus in der Theresienstraße und finden es ausgezeichnet so große Fenster zu haben, die es gestatten Licht und Luft in so großem Umfang in die Wohnung dringen zu lassen.“


Max Otto Zitzelsberger, Architekt und Bewohner des Hauses, www.takemax.de


Zum Vergrössern auf das Bild klicken

Zeichnungen: Johannes Büge, André Tenkamp, Seminararbeit „Die Tür im Haus“, Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren, Prof. Florian Nagler, Fakultät für Architektur, Technische Universität München, Betreuung: Dipl.-Ing. Judith Resch, WS 2020/21


>>> Sollen wir Wohnhochhäuser bauen? in: BDA Informationen 1.2021
>>> Daten zum SEP RUF HAUS Theresienstraße
>>> Gutachten Robert Vorhoelzer, 1950

News-Ticker
29.04.2021: Zur Frage der Errichtung von Wohnhochhäusern lesen Sie den Vortrag von Walter Gropius „Flach-, Mittel oder Hochbau?”, gehalten am III. Internationalen Kongress für Neues Bauen, Brüssel, 27.–29. November 1930

06.05.2021: Zeichnen Sie das Sep Ruf Haus nach einer Anleitung von Hans Döllgast in zwölf, in knapp acht  oder in nur sechs Minuten. (Hans Döllgast, Gebundenes Zeichnen, Ravensburg 1953)

13.05.2021: »Ich glaube Sep Ruf ist unterschätzt«, Eva Kraus, Intendantin der Bundeskunsthalle Bonn und ehemalige Bewohnerin des Sep Ruf Hauses, spricht mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters und dem Autor und Kritiker Kolja Reichert über das Wohnhochhaus an der Theresienstraße: The Common Ground – Die Zukunft der Kulturpolitik, Kanzlerbungalow, 12.05.2021, Online Stream auf www.studiobonn.io

20.05.2021: »Wir ziehen ganz hoch hinauf, dann haben wir die Sonne aus erster Hand und wohnen ›über den Dächern von München‹. Und obendrein ist es wesentlich billiger!« Eine Wohnung in dem »nach modernsten Gesichtspunkten« errichteten Wohnhochhaus kostete seinerzeit zwischen 14.000 und 18.000 DM. Lesen Sie diese Woche die »Revue in Deutschland« (21.4.1951).

27.05.2021: Diese Woche können Sie die ikonische Fenstertür des Sep Ruf Hauses im Detail studieren und dazu etwas über Verbundfenster erfahren. Bis zur Marktreife des Isolierglasfensters in den 1970er-Jahren war es die energieeffiziente, nutzerfreundliche und kostengünstige Fensterkonstruktion.

03.06.2021: »Das Einfamilienhaus ist die Grundzelle aus dem man später die Wohnblocks baut.« Hören Sie das Interview mit Sep Ruf. © BR, 1958

10.06.2021: Schon 1951 wurden zwei Wohnungen im Sep Ruf Haus zusammengelegt. Wie der Grundriss damals und wie die Wohnung heute aussieht, sehen Sie durch klicken auf das Laufband. © NL Ruf; Arnold / Werner Architekten

17.06.2021: Sehen Sie diese Woche, wie es mit den Wohnhochhäusern in München weiterging. Am östlichen Stadtrand entstand mit der Parkstadt Bogenhausen von Franz Ruf und Johannes Ludwig 1954/55 eine Musterwohnanlage für künftige Stadterweiterungen und am südlichen Stadtrand errichtete Emil Freymuth 1952 für die Betriebsangehörigen der Firma Siemens drei Wohnhochhäuser. © BR Retro

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Foto: Josef Grillmeier, 2019
Beitragsfoto: Sep Ruf, Wohnhochhaus Theresien-/Ecke Türkenstraße, 1950/51, Pressefoto

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