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Nachkriegsmoderne

Wohnanlage Franz-Joseph-Straße/Habsburgerplatz, Sep Ruf 1951–1954 

Nachkriegsmoderne

„Man hat sehr klug getan, auf die Restauration des alten Rokoko-Saals, reizend wie er war, zu verzichten, auf den Versuch also ins ‘Es war einmal’ zurückzukehren und ein Bild zu schaffen, das beinahe so aussähe, als ob nichts geschehen wäre; viel edler im Gemüt, aus dem Schutt das ganz Neue, entschlossen Moderne, klar und heiter vorwärtsblickende unsentimental und tapfer erstehen zu lassen. Die Würde einer langen und glänzenden künstlerischen Geschichte, die sich dort abspielt, bleibt der Stätte trotzdem erhalten.“ 

Thomas Mann 1951 an den Staatsintendanten Alois Johannes Lippl anlässlich der bevorstehenden Wiedereröffnung des Münchner Residenztheaters. Auch Sep Ruf, der 1936 für Alois Johannes Lippl dessen Wohnhaus gebaut hatte, hatte Pläne zum Wiederaufbau vorgelegt. Ausgeführt wurde das neue Münchner Residenztheater dann aber von Karl Hocheder.


Dezember 2019
Verkauf des Areals Tucherpark

Der Tucherpark wurde Ende der 1960er-Jahre auf Initiative der Bayerischen Vereinsbank errichtet. Das Konzept des Projektes mit Verwaltungsgebäuden, einer Sportanlage und Schwimmhalle sowie einem Hotel beruhen auf Plänen von Sep Ruf. Benannt ist der Park nach Hans Christoph Freiherr von Tucher, der bis 1968 Vorstandssprecher der Bank war.

Alfred Dürr in der Süddeutschen Zeitung vom 19.10.2019:
[…] Federführend bei damaligen Konzept war Sep Ruf, einer der bedeutendsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts. Das Areal zwischen der Tivolistraße, dem Englischen Garten, der Ifflandstraße und dem Isarring ist denn auch mehr als eine seelenlose Gewerbesiedlung. Das in den späten Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in parkartiger Umgebung entstandene Verwaltungsviertel gilt als einzigartig in Bayern. […]

Parkplan Englischer Garten (Südteil), © Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser und Seen

Fotostrecke zum Tucherpark
Am Rand des Englischen Gartens lag einst der Stadtteil Tivoli. Nach ihm wurde die Gartenwirtschaft “Zum Tivoli” (1924 abgebrochen) und die 1808 errichtete Kunstmühle, die bis 1969 hier stand, benannt.



Denkmalpflege Informationen zur Bürosiedlung Tucherpark:
Sara Sottanelli, Der Münchner Tucherpark – von der Kunstmühle zur Bürosiedlung, in: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hg.), Denkmalpflege Informationen, März 2011, Nr. 148, S. 42–44
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Wohnen und Arbeiten im Tucherpark:
Von 2011 bis 2015 entstand durch Abbruch der 1973 für die Landeszentralbank gestalteten EDV-Zentrale ein Immobilien-Ensemble aus dem Bürohaus Tivoli Office und dem Terrassengebäude Tivoli Garden mit 30 Eigentumswohnungen (Hild und K).
Siehe: Wohnen und Büros statt Kunstmühle, in: Abendzeitung München v. 28.5.2013
Wolfgang Jean Stock, Bau-Ensemble im Tucherpark – Hommage an den Standort, in: Architektur Aktuell, 2016, H. 9, S. 124–135
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Siehe die Meldungen zum Verkauf des Areals Tucherpark auf unserer Presseseite
siehe auch: immobilienreport münchen

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Oktober 2019
Gefährdet: Situlischule, ein „Schmuckkästchen“1 mit Kindergarten in Freimann
Franz Ruf, Johannes Ludwig; Kunst am Bau: Karl Knappe, Josef Karl Nerud; Grünplanung: Alfred Reich, 1952–1954
Volksschule München-Freimann, in: Gerda Gollwitzer, Schulen im Grün, München 1956, S. 46/47 (mit dem Grünkonzept von Alfred Reich)
„Plötzlich Denkmal“, Süddeutsche Zeitung vom 23.10.2019

Für die Erweiterung der Situlischule wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, zum ersten Mal bei einer Münchener Volksschule nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Zuschlag ging damals an keine Geringeren als Johannes Ludwig und Franz Ruf (Bruder von Sep Ruf), die Kunst am Bau kam von Größen wie Karl Knappe und Josef Karl Nerud. Vor diesem Hintergrund wurde der 1954 fertiggestellte Anbau der Situlischule mit gläsernem Eingangsbau und Laubengang jüngst unter Schutz gestellt. Damit erweiterte sich der Denkmalstatus auf das gesamte Ensemble, dessen Kernbau 1929 vom Architekten Hans Gedon im Heimatschutzstil gestaltet wurde.
Weiterlesen: „Schützen oder Schleifen“, moderneREGIONAL

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Zeichnungen: Studenten der TU Kaiserslautern, Prof. Dr.-Ing. Matthias Castorph, Stadtbaukunst und Entwerfen

1 München im 10. Nachkriegsjahr – Skizzen vom Wiederaufbau einer weltbekannten Stadt. Ein Rückblick von Stadtrat Helmut Fischer, Wiederaufbaureferent der Landeshauptstadt München, S. 27

Neue Schulen und Universitäten sowie Ausbildungsplätze und Jugendbauten waren nach dem Zweiten Weltkrieg ein besonderes Desiderat, nicht zuletzt um die Jugendlichen in einem entsprechenden sozialen Umfeld von NS-Gedankengut zu befreien, bzw. fernzuhalten. Dem seit den 1920er-Jahren geläufigen Typus einer Pavillonanlage kam nun besondere Bedeutung zu. Als 1951 in Darmstadt elf „Meisterbauten” vorgestellt wurden, waren davon sieben Bauten der Erziehung, darunter der Entwurf einer Volksschule von Hans Scharoun, deren Architektur ganz auf die Entwicklung des sozialen Verhaltens der Kinder ausgerichtet war. Die Jugend in modernen Bauten unterzubringen und ihnen somit auch über die Architektur den neuen Geist der Demokratie zu vermitteln, war die große Zielsetzung insbesondere der Jugendsozialwerke und des Bundesjugendplans. Auch Sep Ruf errichtete nach gewonnen Wettbewerb 1952 eine Schule, die Volksschule an der Schrobenhausener Straße im Münchner Stadtteil Laim.

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