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Erinnerungen an Sep Ruf – 2

8. Januar 2019
Erinnerungen an Sep Ruf (2) – Johannes Ludwig

In Folge 2 erinnert sich der Architekt Johannes Ludwig (1904–1996) an die von Hans Döllgast und Sep Ruf im Herbst 1954 organisierte Architekturausstellung „Bauen und Bilden“ in der Alten Pinakothek. Sep Ruf und sein Bruder Franz lernten Ludwig bereits im Kindesalter beim Spielen in München-Bogenhausen kennen. Wie Ruf studierte Ludwig in den 1920-Jahren an der damaligen Technischen Hochschule München (THM) bei German Bestelmeyer Architektur. Durch das Studium der skandinavischen Bautradition entwickelte Ludwig dann später eine eigene Architektursprache, die sich in einfachen, klaren Räumen ausdrückte und bis ins Detail materialgerecht handwerklich geformt war. 1957 trat er die Nachfolge von Hans Döllgast als Professor für „Architekturzeichnen und Raumkunst“ an der THM an. Zusammen mit Franz Hart und Josef Wiedemann gehörte er fast 20 Jahre zur konservativ geprägten Münchner Architekturschule.

Download PDF Johannes Ludwig über Sep Ruf

Johannes Ludwig: Döllgast und die Wohnküche im Jettenbacher Hof

Die Zerstörung meiner Behausung in München durch eine Fliegerbombe veranlaßte mich, die Stadt zu verlassen und bis 1948 mein Quartier in Trostberg aufzuschlagen, von wo aus ich meinen Beruf neu aufzäumte – in Mühldorf und seiner Umgebung. Der erste Auftrag war der Wiederaufbau des Gasthauses „Jettenbacher Hof“ in Altmühldorf in neuer Gestalt, in dem ich mir unter dem Dach über der Gaststube, in der es zeitweilig sehr lebhaft zuging, eine bescheidene, primitive Wohnung errichtete. Das Herzstück war die kleine Wohnküche mit ihrem Sesselherd, der die Wärme ausstrahlte, die Ersatz bot für die spärliche Belichtung des Raumes. […]

Als im Jahr 1954 die erste große Architekturausstellung im Rohbau der Alten Pinakothek aufgezogen wurde, war Hans Döllgast natürlich Ausstellungskommissar. Ihm beigeordnet war der damals schon dem „Internationalem Neuen Bauen“ verschriebene Sep Ruf. Als Döllgast die Fotos meines Gasthauses und der Küche aufgehängt hatte, fand Sep Ruf diese zu „unmodern“ und hängte sie wieder ab, Döllgast hängte sie wieder auf, Sep Ruf hängte sie wieder ab. Schließlich behielt Döllgast die Oberhand, und meine Küche blieb in der Ausstellung.


Johannes Ludwig, Wohnküche im Jettenbacher Hof, 1949

Auszug aus: Erinnerungen an Hans Döllgast, in: Hans Döllgast 1891–1974, hrsg. v. Technische Universität München, Bund Deutscher Architekten BDA, Konzeption: Michael Gaenßler, Friedrich Kurrent, Winfried Nerdinger, Franz Peter, München 1987, S. 220f.

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